Ekelig aber doch irgendwie faszinierend fanden die Kinder den Besuch in der Kläranlage. Foto: Kühling
Neuweiler-Breitenberg - Tief im Wald bei Breitenberg, in einem engen, einsamen Schwarzwaldtal, steigt der Geruch nach Fäkalien in den Himmel. 20 Kinder sind gekommen, um sich genauer mit der Ursache des Gestanks zu beschäftigen: Der Kläranlage Teinachtal.
“Hier kommt das Wasser an”, sagt Georg Mast und zeigt in ein kleineres Betonbecken hinter dem Kläranlagengebäude. Der Neuweiler Klärwärter und sein Kollege Ralf Ganzhorn-Scheytt führen jeweils zehn Teilnehmer des Sommerferienprogramms durch die Anlage.
“Bäh!”, schreien die Kinder, “hier stinkt’s!” Und doch schauen sie gebannt in die Grube – Faszination Ekel. Während Mast von organischen und nicht organischen Bestandteilen der Brühe erzählt, entdecken die Kinder Bananenstücke, Klopapier und sogar einen Frosch. Um dem Fachmann zuzuhören, ist der Betrieb in der Anlage fast zu spannend.
Mast führt seine Gäste nun in das Gebäude, wo es noch mehr stinkt. “Hier filtern Austragschnecken Sand und groben Schmutz aus dem Wasser”, erklärt Mast und hält sich als einziger im Raum nicht die Nase zu. Er zeigt den Kindern ein Gitter, an dem jede Menge ekelige Bestandteile des Wassers hängen geblieben sind. “Hier könnt ihr mal sehen, was da so alles mitkommt”, fordert Mast zur genaueren Betrachtung auf.
Weiter geht es zum so genannten Pilz: In einem Betonbecken mit etwa zwei Metern Durchmesser sitzt eine Art riesiger Sprudel-Brunnen, über dessen Rand eine wenig appetitliche, braune Masse fließt. “Boah, cool!”, finden die Kinder, und auch für die wenigen Eltern, die dabei geblieben sind, ist das ein interessanter Anblick.
Der Pilz dient dazu, das ankommende Wasser aufzuteilen, denn die Kläranlage in Breitenberg fährt zweigleisig: Das heißt, dass sie zwei große Becken hat, in deren äußerem Ring Bakterien arbeiten und den Schlamm zersetzen. Zugeführter Sauerstoff lässt das braune Wasser blubbern.
Das innere Becken ist sechs Meter tief und läuft unten trichterförmig spitz zu, damit sich dort der Schlamm absetzen kann. Und am Rand kann man schon das klare Wasser plätschern sehen.
Zuletzt besteigen die Kinder mit Mast das fünf Meter hohe Silo, in das der geklärte Schlamm gepumpt wird. Wenn er voll ist werden von hier regelmäßig 200 Kubikmeter Schlamm zur Entsorgung abtransportiert. Der Tag in der Kläranlage endet mit einem kurzen Blick ins Labor und durchs Mikroskop. Dann können die Kinder ihr eben erworbenes Wissen bei einem Klär-Quiz testen und mit Dartpfeilen auf Luftballons werfen, die an der Holzwand des Gebäudes aufgehängt sind.
Von Nicolai Kühling








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